Diagonal: Stadtporträt Paris – die Banlieue

Vom 26. Juli bis zum 11. August 2024 finden in Paris die Olympischen Sommerspiele statt. Vieles wird sich aber, strenggenommen, nicht in der Gemeinde Paris abspielen, sondern in Vororten der französischen Hauptstadt, in der Pariser Banlieue.

Die Vorbereitungen für das Großereignis Olympische Sommerspiele haben in den vergangenen Jahren dem Riesenprojekt « Grand Paris » einen Schub verliehen. Es soll die verhältnismäßig kleine Kernstadt Paris und das angrenzende städtische Gefüge besser verbinden – verwaltungstechnisch und stadtplanerisch -, damit eine kompetitive Metropole an der Seine entsteht. Die konkreteste Neuigkeit für die 7 Millionen Einwohner:innen: die Banlieue bekommt eigene U-Bahn-Linien.

Liefert die Metropolisierung eine Antwort auf 40 Jahre Krise in der Banlieue? Weite Teile der Bevölkerung haben Angst, außen vor gelassen zu werden. Die öffentliche Hand lässt zwar auf die Zäune der kolossalen Baustellen plakatieren, die Olympiade sei ein « Geschichte-Beschleuniger », doch welche Geschichte wird hier genau beschleunigt?

Es ist bekannt: Die Geschichte der Banlieue ist eine von Ausgrenzung und Revolten am Rande einer Weltstadt. Eine lange Geschichte von stadtplanerischen Versuchen, Ordnung in das bauliche Durcheinander zu bringen. Man vergisst im Ausland aber gerne, dass sich in der Pariser Banlieue nicht nur die ärmsten, sondern auch manche der reichsten Gemeinden des Landes befinden – und alles dazwischen. Das Wort Banlieue ist in der deutschen Sprache zum Synonym für urbane Versäumnisse geworden und wird oft als Menetekel verwendet. Währenddessen verschwindet der reale Ort von der kollektiven Wahrnehmung.

Dazu habe ich, gemeinsam mit Antonia Löffler, eine Sendung gestaltet. Hier einen Monat lang nachzuhören: https://oe1.orf.at/programm/20240727/763962/Stadtportraet-Paris-die-Banlieue

Gewalt durch Verheiratung

Ein Verein in Wien hilft Frauen, die zwangsverheiratet werden oder wurden

Die Europäische Union hat sich vergangene Woche zum ersten Mal auf ein gemeinsames Vorgehen in der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen geeinigt. Zwangsheirat ist eine von sieben Gewaltformen, für die nun Definitionen und Strafrahmen in den verschiedenen Mitgliedsländern harmonisiert werden. Die europäische Richtlinie soll es auch ermöglichen, mehr Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen.

Viele falsche Vorstellungen um das Thema erschweren den Kampf gegen die Zwangsverheiratung, obwohl Schätzungen zufolge jährlich um die 200 Frauen in Österreich betroffen sind. Gängig sind die Ansichten, Zwangsheirat passiere nur in fremden Ländern, haben mit dem Islam zu tun, oder es gehe stets um ältere Männer und jüngere Bräute.
Wer sind diese Frauen? Was bedeutet eine Zwangsehe für die Betroffenen? Und wie kann ihnen geholfen werden? Meine Recherche über das Phänomen Zwangsheirat in Österreich und die Arbeit des spezialisierten Vereins Orient Express ist hier nachzuhören (25 Minuten): oe1.orf.at/programm/20240215/749853/Gewalt-durch-Verheiratung

Wie ich Nachbarschaft anlege

Persönliche Strategien für das Nebeneinanderwohnen

Meine Frau ist da mehr friedensstiftend … Ich bin für Vendetta! »

In der postmodernen Stadt herrscht Anonymität und es gilt vor allem, die eigene Privatsphäre zu schützen. „Die Jungen kommen sich nicht mehr vorstellen, wenn sie einziehen“, bedauert eine Wienerin. Die Nachbarinnen und Nachbarn wechseln öfter, sie kommen teilweise von weit weg und ziehen nach einigen Jahren wieder aus. Auch am Land arbeitet man weniger oft am Feld zusammen, nicht mehr das ganze Dorf trifft sich sonntags in der Kirche. Gesellschaft findet vermehrt in digitalen Räumen statt.

Welche Rolle spielt Nachbarschaft für die Menschen in Österreich? Messen sie der Beziehung zu den Menschen im Haus oder der Wohnung nebenan im globalisierten Zeitalter immer noch eine besondere Bedeutung bei? Und welche Strategien verfolgen sie im Umgang mit ihm – damit sich das Leben nebeneinander nicht nur friedlich abspielt, sondern vielleicht noch Vorteile mit sich bringt?

Ich habe für „Moment“ im Gemeindebau und am Bauernhof, bei Jung und Alt, bei Alteingesessenen und Neuzugezogenen nachgefragt. Das war Teil 1 einer Themenwoche „Nachbarschaft“; die Sendung wurde gestern ausgestrahlt: sound.orf.at/radio/oe1/sendung/188356/wie-ich-nachbarschaft-anlege

Wort der Woche: « SpitzenkandidatIn »

Die politische Woche hat mit der Bekanntgabe der Spitzenkandidatin der Grünen für die Europawahl im Juni angefangen. Die Listenersten der ÖVP, SPÖ und FPÖ stehen schon fest. Am Samstag soll die letzte der fünf österreichischen Parlamentsparteien – NEOS – die Identität ihres Listenersten bestätigen – somit wird die Woche so enden, wie sie begonnen hat: Mit einer EU-Spitzenkandidatur.

„Spitzenkandidat, Spitzenkandidatin“ – ein Konzept, das im europäischen Kontext immer wieder Debatten auslöst. So sehr, dass das deutsche Wort „Spitzenkandidat“ von EU-Politikinteressierten in anderen europäischen Sprachen verwendet wird, wie Englisch, Italienisch oder Französisch.

Am Mittwoch durfte ich wieder das « Wort der Woche » von Moment auswählen. Es wurde « SpitzenkandidatIn ». Hier kann man den Beitrag nachhören: sound.orf.at/radio/oe1/beitrag/2703445/wort-der-woche-spitzenkandidatspitzenkandidatin