Diagonal Stadtporträt Paris – die Banlieue (aktualisierte Wiederholung)

Mein Diagonal zur Pariser Banlieue (zusammen mit Antonia Löffler) wird morgen, Samstag, auf Ö1 wiederholt: 17.05 bis 19 Uhr! Die Sendung habe ich um einen neuen, aktuellen Beitrag zum sportlichen « olympischen Erbe » in der Banlieue erweitert. Es ist auch eine gute Gelegenheit, coole Musik aus der Gegend zu hören.

Sport in der Banlieue: Ist für die jungen Rugby-SpielerInnen in Bagnolet nach den Spielen etwas besser geworden?

Im Juli und August 2024 fanden in Paris die Olympischen Sommerspiele statt. Vieles hat sich nicht in der Gemeinde Paris abgespielt, sondern in Vororten der französischen Hauptstadt, in der Pariser Banlieue.

Die Vorbereitungen für das Großereignis Olympische Sommerspiele hatten in den vergangenen Jahren dem Riesenprojekt « Grand Paris » einen Schub verliehen. Es soll die verhältnismäßig kleine Kernstadt Paris und das angrenzende städtische Gefüge besser verbinden – verwaltungstechnisch und stadtplanerisch -, damit eine kompetitive Metropole an der Seine entsteht. Die konkreteste Neuigkeit für die 7 Millionen Einwohner:innen, die Banlieue bekommt eigene U-Bahn-Linien.

Liefert die Metropolisierung eine Antwort auf 40 Jahre Krise in der Banlieue? Weite Teile der Bevölkerung haben Angst, außen vor gelassen zu werden. Die öffentliche Hand lässt zwar auf die Zäune der kolossalen Baustellen plakatieren, die Olympischen Spiele seien ein « Geschichte-Beschleuniger », hieß es, doch welche Geschichte wird hier genau beschleunigt?

Es ist bekannt: Die Geschichte der Banlieue ist eine von Ausgrenzung und Revolten am Rande einer Weltstadt. Eine lange Geschichte von stadtplanerischen Versuchen, Ordnung in das bauliche Durcheinander zu bringen. Man vergisst im Ausland aber gerne, dass sich in der Pariser Banlieue nicht nur die ärmsten, sondern auch manche der reichsten Gemeinde des Landes befinden – und alles dazwischen. Das Wort Banlieue ist in der deutschen Sprache zum Synonym für urbane Versäumnisse geworden und wird oft als Menetekel verwendet. Währenddessen verschwindet der reale Ort von der kollektiven Wahrnehmung.

Nach der Ausstrahlung wird die Sendung 28 Tage lang hier zu finden sein: oe1.orf.at/programm/20250412/791484/Diagonal-Stadtportraet-Paris-Die-Banlieue

Entschuldigung über die Grenzen hinweg

« Sumimasen! » Von feinen kulturellen Unterschieden und Versuchen, diese zu begreifen

Sich entschuldigen – das tun Menschen rund um den Globus. Aber wie und wofür? Darüber herrscht keine Einigkeit. In Japan verbeugt man sich tief, « Sumanai sumimasen!« . In Großbritannien ist das Wörtchen « sorry » allgegenwärtig. Im Iran hat man es lieber blumig – « Bebachshin! Lassen Sie es uns vergessen, der Freundschaft zuliebe ». In der Wissenschaft wird versucht, die mannigfaltigen Formulierungen zu kategorisieren und die Unterschiede zu deuten, in der Annahme, dass die Entschuldigung als Sprechakt zwischen Regelbruch und Versöhnung Wichtiges über die Kulturen verraten kann. Und in der Praxis müssen sich Sprachlernende, Geschäftsreisende und Dolmetschende mit den subtilen Unterschieden arrangieren.

Ich habe heute den dritten Teil der Moment-Themenwoche « Entschuldigung! Über die Versuche, Schuld loszuwerden » gestaltet. Die Sendung kann 28 Tage lang hier nachgehört werden: oe1.orf.at/programm/20250226/785931/Entschuldigung-ueber-die-Grenzen-hinweg

Abwäscher. Unsichtbare Helden der Gastronomie

« Jeder Abwäscher hat sein System. Ich sortiere Teller und Schüssel schon vor dem Spülen », sagt Dawoud.

Haubenrestaurants definieren sich über den Küchenchef oder die Küchenchefin. Neben Stars am Herd finden auch manchmal Sous-Chefs, Sommeliers oder die Bar-Chefin Erwähnung in kulinarischen Berichten. Auch ein kunstvolles Service wird sowohl von der fachmännischen Kritik als auch von den Gästen wahrgenommen und eventuell finanziell wertgeschätzt.
Hinter den Kulissen müssen jedoch viele andere werken, damit feines Essen auf die Teller kommt. Und damit die Teller überhaupt sauber sind, arbeitet einer, der nach allgemeiner Auffassung zuunterst in der Küchenhierarchie steht: der Abwäscher.
Diese diskreten Mitarbeiter – zumeist ausländische Männer – müssen schnell, fit und belastbar sein. Nach düsterer Eigenerfahrung hinter dem Abwasch nannte sie George Orwell einst « Sklaven der modernen Zeit ». Ihre Arbeit deutete der englische Schriftsteller als Affront gegen die Zivilisation. 90 Jahre später – und nach der Erfindung der Spülmaschine – haben sich die Arbeitsverhältnisse glücklicherweise verbessert.

Hier könnt ihr meinen letzten Beitrag hören: https://oe1.orf.at/programm/20250115/782214/Die-Abwaescher

Wer aller das Lehrpersonal unterstützt

Von Schulwarten, Schulsekretärinnen, Schulsozialarbeitern und anderem Schulpersonal

Schulwart Halil Berkmen und Raumpflegerin Narges Rangamiz in der Volksschule Vorgartenstraße 95-97 in Wien.

An vielen Orten fehlen die nötigen Lehrkräfte, doch die Verantwortlichen haben eine Lösung: mehr Supportpersonal. Dieses soll Nebenaufgaben übernehmen, damit Lehrerinnen und Lehrer sich auf das Pädagogische konzentrieren können. In einer Klasse versucht etwa ein Schulassistent, zwei unruhige Schüler dazu zu bringen, dass sie auf den Unterricht aufpassen. Im Beratungsraum nebenan organisiert der Schulsozialarbeiter Hilfe für eine Schülerin mit psychischen Problemen. In der Direktion versucht sich eine sprachgewandte Schulsekretärin an Türkisch und Arabisch und informiert Eltern. Und der Schulwart, die Raumpflegerin? Sie sind vom Zustand der Schultoiletten etwas befremdet, aber geben den Kampf für ein ordentliches Schulgebäude nicht auf.
Einblicke in den Alltag hinter den Schulkulissen.
Ich habe den dritten Teil der Moment-Themenwoche « Arbeiten in der Schule » gestaltet. Die Sendung wurde am Mittwoch gesendet und Interessierte können sie hier nachhören: https://oe1.orf.at/programm/20241211/778953/Wer-aller-das-Lehrpersonal-unterstuetzt

Weibliche Genitalverstümmelung in Österreich

Warum darüber gesprochen werden muss – und wie

In Österreich leben rund 10.000 Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden, schätzt eine im September veröffentlichte Studie der Medizinischen Universität Wien. Betroffene kommen oft aus Ägypten oder Somalia, aber auch zwischen 1.700 und 3.000 Mädchen, die hier aufwachsen, gelten als gefährdet. Wie kann diese verbotene Praktik bekämpft werden? Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung, antworten jene, die in dem Bereich arbeiten. Leicht ist es aber nicht, denn das Thema ist hochkomplex. Und nicht nur die Frauen selbst brauchen Informationen und Unterstützung, sondern Gynäkologinnen, Hebammen, Kinderärztinnen und Sozialarbeiterinnen. Von schwierigen Gesprächen, Kulturbarrieren und Tabus.

Meine Sendung bleibt 28 Tage online: https://oe1.orf.at/programm/20241015/772647/Weibliche-Genitalverstuemmelung-in-Oesterreich

LINKS zur Sendung:

Peninah Lesorogols Schmuckgeschäft: www.samburu.at

Informationen zum Thema Weibliche Genitalverstümmelung in Österreich
fgm-koordinationsstelle.at

In Wien: femsued.at

Aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien public-health.meduniwien.ac.at/en/about-us/news/news/abschlussbericht-der-studie-zu-weiblicher-genitalverstuemmelung