Entschuldigung über die Grenzen hinweg

« Sumimasen! » Von feinen kulturellen Unterschieden und Versuchen, diese zu begreifen

Sich entschuldigen – das tun Menschen rund um den Globus. Aber wie und wofür? Darüber herrscht keine Einigkeit. In Japan verbeugt man sich tief, « Sumanai sumimasen!« . In Großbritannien ist das Wörtchen « sorry » allgegenwärtig. Im Iran hat man es lieber blumig – « Bebachshin! Lassen Sie es uns vergessen, der Freundschaft zuliebe ». In der Wissenschaft wird versucht, die mannigfaltigen Formulierungen zu kategorisieren und die Unterschiede zu deuten, in der Annahme, dass die Entschuldigung als Sprechakt zwischen Regelbruch und Versöhnung Wichtiges über die Kulturen verraten kann. Und in der Praxis müssen sich Sprachlernende, Geschäftsreisende und Dolmetschende mit den subtilen Unterschieden arrangieren.

Ich habe heute den dritten Teil der Moment-Themenwoche « Entschuldigung! Über die Versuche, Schuld loszuwerden » gestaltet. Die Sendung kann 28 Tage lang hier nachgehört werden: oe1.orf.at/programm/20250226/785931/Entschuldigung-ueber-die-Grenzen-hinweg

Abwäscher. Unsichtbare Helden der Gastronomie

« Jeder Abwäscher hat sein System. Ich sortiere Teller und Schüssel schon vor dem Spülen », sagt Dawoud.

Haubenrestaurants definieren sich über den Küchenchef oder die Küchenchefin. Neben Stars am Herd finden auch manchmal Sous-Chefs, Sommeliers oder die Bar-Chefin Erwähnung in kulinarischen Berichten. Auch ein kunstvolles Service wird sowohl von der fachmännischen Kritik als auch von den Gästen wahrgenommen und eventuell finanziell wertgeschätzt.
Hinter den Kulissen müssen jedoch viele andere werken, damit feines Essen auf die Teller kommt. Und damit die Teller überhaupt sauber sind, arbeitet einer, der nach allgemeiner Auffassung zuunterst in der Küchenhierarchie steht: der Abwäscher.
Diese diskreten Mitarbeiter – zumeist ausländische Männer – müssen schnell, fit und belastbar sein. Nach düsterer Eigenerfahrung hinter dem Abwasch nannte sie George Orwell einst « Sklaven der modernen Zeit ». Ihre Arbeit deutete der englische Schriftsteller als Affront gegen die Zivilisation. 90 Jahre später – und nach der Erfindung der Spülmaschine – haben sich die Arbeitsverhältnisse glücklicherweise verbessert.

Hier könnt ihr meinen letzten Beitrag hören: https://oe1.orf.at/programm/20250115/782214/Die-Abwaescher

Wer aller das Lehrpersonal unterstützt

Von Schulwarten, Schulsekretärinnen, Schulsozialarbeitern und anderem Schulpersonal

Schulwart Halil Berkmen und Raumpflegerin Narges Rangamiz in der Volksschule Vorgartenstraße 95-97 in Wien.

An vielen Orten fehlen die nötigen Lehrkräfte, doch die Verantwortlichen haben eine Lösung: mehr Supportpersonal. Dieses soll Nebenaufgaben übernehmen, damit Lehrerinnen und Lehrer sich auf das Pädagogische konzentrieren können. In einer Klasse versucht etwa ein Schulassistent, zwei unruhige Schüler dazu zu bringen, dass sie auf den Unterricht aufpassen. Im Beratungsraum nebenan organisiert der Schulsozialarbeiter Hilfe für eine Schülerin mit psychischen Problemen. In der Direktion versucht sich eine sprachgewandte Schulsekretärin an Türkisch und Arabisch und informiert Eltern. Und der Schulwart, die Raumpflegerin? Sie sind vom Zustand der Schultoiletten etwas befremdet, aber geben den Kampf für ein ordentliches Schulgebäude nicht auf.
Einblicke in den Alltag hinter den Schulkulissen.
Ich habe den dritten Teil der Moment-Themenwoche « Arbeiten in der Schule » gestaltet. Die Sendung wurde am Mittwoch gesendet und Interessierte können sie hier nachhören: https://oe1.orf.at/programm/20241211/778953/Wer-aller-das-Lehrpersonal-unterstuetzt

Rausch aus dem Luftballon

Nach der Wiederholung meiner Sendung zum Thema Zwangsverheiratung vorgestern ist gestern ein neuer Beitrag von mir ausgestrahlt worden.

Darin geht es um die legale Trenddroge Lachgas.

Vor zwei Wochen hat der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach angekündigt, den Verkauf von Distickstoffmonoxid – bekannt als « Lachgas » – an Minderjährige gesetzlich verbieten zu wollen. Frankreich, die Niederlande, England und andere europäische Länder sind bereits diesen Schritt gegangen. Auch in Österreich wird über ähnliche Maßnahmen nachgedacht. Denn seit ein paar Jahren können Konsumentinnen und Konsumenten das « Lachgas » leicht über das Internet bestellen oder an Automaten auf der Straße kaufen. Für ein paar Dutzend Euro sind Kartuschen voller psychoaktiver Substanz zu haben, mit Kokos- oder Erdbeergeschmack – inklusive der Luftballons, die für das Inhalieren benutzt werden. Das « Lachgas » ist legal, billig und gilt unter Jugendlichen als harmlos. Doch unüberlegter Konsum kann gefährlich sein.

Hier der Link zum Nachhören: oe1.orf.at/programm/20241127/776485/Die-legale-Trenddroge-Lachgas

Zivildienst als « Säule der Gesellschaft »

Ein struktureller Blick auf den Wehrersatzdienst. Wie unverzichtbar ist er für das soziale Gefüge?

Am Anfang suchte man eine sinnvolle Beschäftigung für einige hundert junge Männer, die aus Gewissensgründen keine Waffe anfassen wollten. Aus diesen bescheidenen Anfängen ist – 50 Jahre später – ein riesiges Projekt geworden. Fast 11.000 Österreicher leisten derzeit Zivildienst und die zuständige Staatssekretärin Claudia Plakolm bezeichnet sie als eine « tragende Säule der Gesellschaft ». Seit der Volksbefragung zur Wehrpflicht 2013 hat sich im Land ein politischer und gesellschaftlicher Konsens etabliert und das bewährte System des Zivildienstes gilt heute als unverzichtbar für das Gesundheits- und Sozialwesen. Doch die « Zivis » werden immer weniger, der Bedarf der Einrichtungen jedoch nicht kleiner. So stellt sich die Frage: Wie unverzichtbar ist der Wehrersatzdienst? Rettungswesen oder Sozialhilfe in der Landwirtschaft, Altersbetreuung oder Kinderbetreuung – welche Sparten sollen in Zeiten sinkenden Zivildienst-Leistender bevorzugt werden? Und wer trifft diese Entscheidung?

Am Mittwoch wurde meine Sendung zum Zivildienst auf Ö1 gesendet – als Teil einer Schwerpunktwoche: https://oe1.orf.at/programm/20241119/776091/Zivildienst-als-Saeule-der-Gesellschaft